Buchbesprechung Alpha One

Buchbesprechung Alpha One

Erst mal einen lieben Dank an die Autorin Minny Baker, dass sie mir das Buch als E-Book zur Verfügung gestellt hat. Im Rahmen der Lovelybooks Debütautorenchallenge habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr auch wieder 15 Bücher von Autorinnen und Autoren zu lesen, die dieses Jahr zum ersten Mal ein Buch veröffentlichen. Damit habe ich schon letztes Jahr echt gute Erfahrungen gemacht. Ich habe da die ein oder andere Buchperle entdeckt. Dieses Jahr gestaltet sich aber alles etwas schwieriger, denn auch Self-publishing darf jetzt mitmachen, sodass viele Self-publishing Autoren die Chance nutzen, um ihr Werk vorzustellen. Das erhöht natürlich die Auswahl an Büchern ungemein und ich kann mich einfach nicht entscheiden. Die Entscheidung für Alpha-One bereue ich jedenfalls kein Stück!

Zu dem Buch bin ich eher etwas zufällig gekommen. Das Cover hat mich jetzt nicht so angesprochen. Es sagt nicht viel aus, ist ziemlich bunt und für meinen Geschmack glitzert es zu viel. Aber ich will mich ja nicht nur von Äußerlichkeiten leiten lassen. Deshalb habe ich mir noch die Beschreibung zur Leserunde durchgelesen und irgendwie hat es ganz gut geklungen. Also habe ich mich mal beworben und schwupps… schon hatte ich es gewonnen. Ich will euch auch gar nicht anlügen – vermutlich hätte ich es ansonsten auch nicht gekauft. Aber es war so schnell in meinem E-Mail Postfach, dass ich dann einfach direkt losgelegt habe.

In dem Buch geht es vor allem viel ums Tanzen. Beth, die Hauptperson, wird in Berlin zufällig entdeckt und gebeten an einem Tanzcasting teilzunehmen. Aus Neugierde nimmt sie teil und ist so überzeugend, dass sie mit nach London kommen darf, wo die super begehrten und super hippen Tänzer von UCoP, einer internationalen Gemeinschaft von Tänzern, trainieren. Beth muss hart trainieren, wenn sie auch nur annähernd neben den Profis bestehen will und dann machen ihr ihre Trainer auch noch das Leben zusätzlich schwer. Es stellt sich natürlich DIE eine Frage: Wird Beth es schaffen, sich einen Weg in ein Tanzteam zu erkämpfen? 

Der Aufbau des Buches ist relativ simpel. Es startet mit Beth in Berlin und endet mit einem Auftritt von UCoP in London. Das E-Book bei mir hat 664 Seiten und 69 Kapitel. Man kann das Buch auch für ca. 19€ als Taschenbuch erwerben. Die Covergestaltung hatte ich ja oben schon erörtert. Auch wenn es mir nicht direkt gefällt, es passt gut zur Thematik des Buches und ist sehr gut ausgewählt.

Die Handlungsstruktur des Buches ist auch sehr klar definiert. Es wird chronologisch erzählt und es vergehen etwa 1 1/2 Jahre in der Geschichte. Es gibt keine Zeitsprünge und deshalb kann man der Geschichte sehr gut und leicht folgen. Der personale Erzähler schildert die Geschichte aus der Sicht von Beth, wobei es zwei Situationen gibt, in denen der Erzähler den Lesern etwas vorenthält. Das erhöht vor allem die Spannung, weil die Leser an Beth Reaktionen merken, dass etwas nicht stimmt, man aber als Leser noch nicht erfährt worum es geht.

Beth ist eine sehr interessante, wenn auch nicht sehr vielschichtige Protagonistin. Zu Beginn der Geschichte ist sie eine ruhige Studentin, die sich nicht sehr um die Aufmerksamkeit anderer schert und die eher versucht nicht aufzufallen. In einem vermeintlich unbeobachteten Moment, geht sie aus sich heraus und wird auch prompt als Talent entdeckt. Im Laufe des Romans entwickelt sie sich vor allem körperlich. Allerdings erlangt sie auch mentale Stärke, ausgelöst durch eine Trotzreaktion weil der Teamchef des Alphateams, der besten Tanzcrew der Welt, nicht an sie glaubt und sie am liebsten loswerden würde. Aber sie möchte bleiben und so kann sie sogar ihre Selbstzweifel lange genug überwinden, um alle von ihrem Können zu überzeugen. Immer wieder stößt Beth auf Hindernisse, die sie entweder allein oder mithilfe der anderen meistert. Dennoch sehe ich bei Beth keine große Weiterentwicklung. Ich denke, dass da noch einiges an Potential für die Fortsetzungen ist.

Auch die anderen Protagonisten sind eher stabile Charaktere. Die meisten in der Tanzcrew sind von Anfang an sympathisch dargestellt und verstehen sich gut mit Beth. Die größte Entwicklung macht wohl Henry durch. Er ist der Teamchef, der Alpha One, des Teams Alpha und somit auch der Chef der Gruppen Beta und Gamma. Er ist zu Beginn gegen die Aufnahme von Beth im Team und er ist schockiert, dass er mit ihr tanzen soll. Für Beth ist Henry das personifizierte Böse, denn er springt sehr hart mit ihr um und versucht sie fertig zu machen. Mit der Zeit erkennt er aber das Potential von Beth und es ändert sich auch sein Verhalten. So wie Beth Henry näher kennen lernt, so lernt man auch als Leser Henry kennen (und lieben ;). Aber auch da sehe ich noch ein deutliches Potential für die zukünftigen Bände, denn ich habe noch einige Fragen an Henry, die Band eins noch offen lässt.

Das Ende des Buches hat mir aber sehr gut gefallen. Es war authentisch und hat gut zur ganzen Geschichte gepasst. Man könnte das Buch ganz gut als unaufgeregt beschreiben. Die Autorin gibt den Lesern viel Zeit, sich an die Geschichte und an die Protagonisten zu gewöhnen und sie wirklich gut kennen zu lernen. Das Buch kommt auch ganz ohne Katastrophen und Dramen aus, und dennoch ist es nicht langweilig. Stattdessen gibt es viele kleine Alltagssituationen, die den Lesern helfen, sich in die Protagonisten, vor allem in Beth, hineinzuversetzen. Diese – ich nenn es jetzt mal Gemächlichkeit- ist eine große Stärke des Buches. Besonders positiv möchte ich hervorheben, dass zumindest der erste Band keine Liebesgeschichte im klassischen Sinne ist. Unter klassisch verstehe ich das Muster, das man in so vielen Büchern entdeckt: Frau trifft Bad Boy, verliebt sich und gewinnt ihn für sich. Stattdessen haben wir in Alpha One die Geschichte der Liebe einer Frau zu sich selbst und wie sie im Laufe des Buches die Möglichkeit hat einer Tätigkeit nachzugehen, die sie völlig ausfüllt, obwohl sie zuvor nicht mal wusste, dass eine solche Leidenschaft in ihr schlummert.

Meine Erfahrungen während des Lesens sind sehr positiv. Das Buch liest sich schnell und nach jedem Kapitel wollte ich gerne weiterlesen. Aber auch nach dem Lesen und in den Phasen zwischen den Leseetappen hat mich die Geschichte einfach nicht losgelassen. Wenn ich im Radio einen Song höre, denke ich: „Das wäre ein super Song für Beth und Henry!“, und wenn niemand hinsieht, drehe ich eine kleine Pirouette und stelle mir vor ich performe für UCoP. Das Buch hat mich echt auf meiner Couch abgeholt und in eine Welt des Tanzens und Performens entführt, die mir bis dahin völlig fremd war und die ich jetzt ein bisschen besser kenne.

Mitte Juni kommt Band 2 raus und vor Ende des Jahres soll auch Band drei noch erscheinen. Ich bin auf jeden Fall an Bord und freue mich schon auf die Fortsetzung, denn das Buch weckt die Lebensgeister und macht Lust auf einen Sommer mit Tanz und Musik.



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