Das Leben ist gut von Alex Capus

Das Leben ist gut von Alex Capus

Über das Buch: Max ist Autor und Besitzer der Sevilla Bar, einer Bar, in der sich Menschen begegnen, in der getanzt und gelacht und gesprochen, und natürlich getrunken wird. Max hat seinen festen Tagesablauf, der gibt ihm Sicherheit und der ändert sich auch nicht, als seine Frau Tina beruflich unter der Woche in Paris bleibt und aus ihrer Ehe plötzlich eine Fernbeziehung wird. Eine Woche lang können die Leser Max bei seinen Routinen, Gedanken und Gesprächen begleiten und sich dann ein eigenes Bild machen, über eine Lebensform, die  fast schon zu einfach ist, um wahr zu sein.

Warum ich das Buch gekauft habe: Habe ich nicht, ich habe es als E-Book im Online-Verleih meiner Stadtbücherei ausgeliehen. Als ich die Liste mit aktuell verfügbaren E-Books durchgescrollt habe, ist mir der Name Capus sofort ins Auge gesprungen. Schon länger wollte ich mich mal an einem Capus versuchen, war nur noch nicht so recht dazu gekommen. Jetzt war also die Gelegenheit dazu.

Meine Meinung: Das Buch ist anders. Anders als die meisten Bücher, die ich lese und sowieso anders als Der Drachenjäger, das Buch, dass ich zuletzt gelesen habe. Was es so anders macht?

Zum einen gibt es quasi keine Handlung. Es beginnt damit, dass Max Frau Tina nach Paris fährt und endet mit ihrer Heimkehr. Aber dazwischen gibt es nicht endloses Sehnen und vielleicht einen Überraschungsbesuch, eine Affäre und ein uneheliches Kind. Nein – das Buch kommt ohne Drama aus, ohne Wendungen. Stattdessen erzählt Max der Barbesitzer aus dem Leben.

Man erfährt die Geschichte der Straße und der Bar, außerdem lernt man einzelne Barbesucher kennen. Max erzählt von Freundschaft und Streit, von einem Stierkopf, von der Wüste und von den Sümpfen.

Vor allem aber erzählt er von Beständigkeit und Genügsamkeit. Denn Max hat schon immer in der gleichen Stadt gelebt, ist nie wirklich rausgekommen und hat auch kaum das Bedürfnis dazu, im Gegensatz zu seiner Frau.

Es geht natürlich auch im Liebe, aber ganz zart und unaufdringlich am Rande. Capus muss nicht Wort für Wort aufschreiben, wie sehr Max seine Frau liebt und dass sie ihm fehlt, denn das macht er ganz anders deutlich, das zeigt sich in den kleinen Dingen, zum Beispiel wenn Max genau vorhersieht wann seine Frau anrufen wird, weil sie sich nun schon so lange kennen.

Vor allem Punktet das Buch durch die absolut detaillierten Schilderungen von Ereignissen und Personen, die manchmal überspitzt dargestellt werden und damit herrlich ironisch deutlich machen, dass es so in der Realität eben manchmal aussieht. Ich musste sehr häufig darüber schmunzeln, wie sehr ich mich und mein Umfeld, in den Erzählungen wiedererkenne. Das ist eine große Stärke des Buches – Personen und Ereignisse haben deutlichen Wiedererkennungswert, weil Capus eine sehr gute Beobachtungsgabe beweist.

Daran erkennt man übrigens den Spießbürger, dass er seinem normierten Leben eine Illusion von Würze zu geben versucht, indem er die Kennzeichen randständiger Subkultur ursurpiert […]. Um sich selbst lebendig zu fühlen, hat der Spießbürger den Rockern das Motorrad und die Lederjacke gestohlen, den Hippies den VW-Bus und den Proletariern den Fußball […]. (Capus 166/67)

Ein kleines Aber bleibt dennoch. Manchmal zieht sich das Buch etwas hin. Es hat nur 240 Seiten und ist damit relativ schnell gelesen, deshalb kann man das verzeihen. Außerdem ist das eben Teil der Botschaft: Es muss nicht immer schnell weitergehen, sondern man muss auch mal anhalten, in eine Bar gehen, sich dort hinsetzen und das Leben auf sich wirken lassen. So zumindest ist Das Leben ist gut bei mir angekommen.

 

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