Briefe an einen jungen Dichter von Rainer Maria Rilke

Briefe an einen jungen Dichter von Rainer Maria Rilke

Briefe an einen jungen Dichter – damit beginnt meine selbstauferlegte Challenge. Es ist mir von einem französischen Freund so warm ans Herz gelegt worden, mit den Worten „Das Werk hat mein Leben verändert, es hat in mir den Wunsch erweckt, zu schreiben und es hat mich abgeholt als es mir schlecht ging“ (von mir frei übersetzt). Dann hat er mir eine sehr hübsche zweisprachige – Deutsch und Französisch – Ausgabe geschenkt und ich habe mich sofort daran gemacht, es zu lesen.

Über das Werk

Das Werk besteht aus zehn Briefen, die Rainer Maria Rilke an den „jungen Dichter“ Franz Xaver Kappus schreibt, der Rilke um Rat bezüglich seiner eigenen literarischen Werke bittet.

Zum Inhalt gibt es nicht viel zu sagen. Rilke spricht über vieles, er philosophiert und er gibt Ratschläge, aber das ist es nicht, was diese Briefe so besonders macht. Es ist die Art wie er schreibt, wie er sich selbst zurücknimmt, um seinem Gegenüber helfend zur Seite zu stehen, die mich sehr an Rilkes Briefen berührt hat.

Briefe anderer Menschen zu lesen, empfinde ich als etwas sehr intimes, auch wenn sie schon tot sind und auch wenn es schon eine Menge Menschen vor mir gelesen haben. Ich habe mich den beiden nahe gefühlt, als wäre ich Teil des Schreibgesprächs. Zeitweise kam es mir vor, als schreibe Rilke den Brief an mich, als spreche er durch die Briefe zu mir.

Aktuell wie eh und je

Und was er zu sagen hat, ist auch heute noch relevant. Die Briefe entstanden vor über einhundert Jahren. Sie beginnen am 17. Februar 1903 und ihr Gespräch erstreckt sich über eine Zeitspanne von fünf Jahren. Ich hatte das Gefühl, dass Franz Kappus Rainer Maria Rilke in der Zeit ans Herz gewachsen ist. Als Leser kann man miterleben, wie die beiden sich über ihre Briefe näher kennen lernen und sich ihre Auffassungen mitteilen.

Rilke kritisiert die Werke Kappus zu Beginn und er gibt ihm einen Tipp, der sicher vielen angehenden Schriftstellern eine Anregung und eine Motivation sein kann.

Sie fragen, ob ihre Verse gut sind. Sie fragen mich. Sie haben vorher andere gefragt. […] Sie vergleichen sie mit anderen Gedichten, und sie beunruhigen sich, wenn gewisse Redaktionen Ihre Versuche ablehnen. Nun (da Sie mir gestattet haben, Ihnen zu raten) bitte ich Sie, das alles aufzugeben. […] Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt […]. (Rilke 26). 

Von Melancholie und Leidenschaft

Rilke findet einfach die richtigen Worte. In seinen Briefen spricht er von vielen verschiedenen Themen, die ihn beschäftigen: Von der Literatur, von der Religion, von der Kunst und vom Tod, aber auch viel von der Einsamkeit. In mir hat er eine herbstliche Melancholie ausgelöst, die keineswegs unangenehm ist. Stattdessen bietet Rilke Stoff zum Nachdenken und auch in mir hat er den Wunsch geweckt, etwas zu schreiben. Die Leidenschaft, mit der er schrieb, kommt in seinen Briefen deutlich zum Ausdruck. Das Schreiben ist etwas was sein muss, da gibt es für ihn keine Alternative.

Nach dem Lesen der Briefe, habe ich das Gefühl ich kenne Rainer Maria Rilke ganz privat. Auch wenn das eine Illusion ist, lässt er die Leser doch ganz nah an sich ran und teilt seine Gedanken mit Kappus und dem Rest der Welt.

Wenn ihr also im Herbst noch Zeit und Platz für ein weiteres Buch habt, kann ich Briefe an einen jungen Dichter nur wärmstens empfehlen.  



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