Ziemlich alte Helden – Simona Morani

Ziemlich alte Helden – Simona Morani
Bildquelle: Random House

Ziemlich alte Helden von Simona Morani

Das Erstlingswerk von Simona Morani erschien 2015 in Italien und zwei Jahre später, im Mai diesen Jahres, auch bei uns in der deutschen Übersetzung bei Carl’s Books der Verlagsgruppe Randomhouse.

Zum Inhalt 

In der italienischen Provinz treffen sich seit Jahrzehnten fünf alte Männer in der immer gleichen Bar „La Rambla“. Sie rauchen und trinken und halten sich an keine Regeln. Das ist dem neuen Polizist im Dorf ein Dorn im Auge und er möchte die Alten so schnell wie möglich in das neu eröffnete Altersheim umquartieren. 

Zum Aufbau

Die Geschichte wird aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten erzählt. Sie beginnt mit Ettore, dem sein verstorbener Freund Ermenegildo im Schlaf erscheint. Die einzelne Kapitel tragen immer ein Überschrift und sie sind so zwischen fünf und zehn Seiten lang.

Morani erzählt die Geschichte chronologisch, wobei man natürlich immer wieder auch Details aus der Vergangenheit der Protagonisten erfährt, sodass man sie alle sehr genau kennen lernt. Ich schätze, dass sich die Geschichte im Verlauf von ein oder zwei Wochen abspielt.

Zu den Personen

Das Faszinierende an dem Buch ist, dass Simona Morani mit Mitte Dreißig einen Roman aus Sicht von Menschen schreibt, die mehr als doppelt so alt sind wie sie selbst. Und ich habe ihr das abgekauft. Ich konnte mich in die Protagonisten hineinversetzten und habe sie in mein Herz geschlossen.

Außerdem schafft es Morani, verschiedene Typen alter Menschen aufzuzeigen, ohne klischeehaft oder abgedroschen zu sein.

Da gibt es Ettore, der durch den Tod seines Freundes plötzlich Angst vor dem Sterben bekommt und sich mit Block und Stift in die Predigt setzt, um herauszufinden, was denn da jetzt kommt nach dem Tod.

Und Gino, der halbblind mit seinem Ape durch die Straßen schleicht und auf den Zuhause seine drei letzten Schlachthühner warten, weil er Mitleid mit ihnen bekommen hat.

Und Cesare, dem seine Frau ununterbrochen auf die Nerven geht, der dann auch gerne mal das Hörgerät ausschaltet, aber wenn es hart auf hart kommt, kann er doch nicht ohne sie leben.

„Jetzt erzähl mir nicht, wie ich fahren soll“, erwiderte [Cesare] mit drohendem Blick. Irma musterte ihn verstohlen aus den Augenwinkeln. „Wie siehst du überhaupt aus?“ fragte sie angewidert, als sie seine Aufmachung bemerkte. „Wieso?“ Er hatte das kurzärmelige rote T-Shirt angezogen, das er im Sommer zu besonderen Anlässen trug. „Das hattest du letztes Mal schon an und auch das Mal davor, willst du, dass sie uns für Obdachlose halten?“ „Es ist doch sauber…“ (S. 111)

Diese Stelle hat mir besonders gut gefallen. Im weiteren Verlauf halten sie an, und kaufen ihm ein neues Hemd. Diese Geschichte ist so lebensnah, dass ich wirklich lachen musste beim lesen.

Was zum Nachdenken

Die Geschichte bietet jedoch mehr als nur lustige Alltagsszenen. Sie regt auch dazu an, über das Altwerden nachzudenken und damit verbunden auch über das Sterben. Da kann man sich schon die Frage stellen, wie man wohl selbst später sein wird. Ob man dann wie Ettoren noch schnell versucht, der eigenen Existenz einen Sinn zu geben, oder ob man wie Cesare nur noch genervt von seinem Ehepartner oder seiner Ehepartnerin sein wird. Vielleicht lebt man auch wie Gino mit drei Hühnern im Haus.

Der Roman bietet viele sehr schöne Stellen, dass es sich wirklich in jedem Alter zu lesen lohnt.

Als er ein Kind war, hatten viele der anderen noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt, und in seiner Jugend waren sie für ihn nur andere Bewohner des Dorfes gewesen. Doch irgendwann, wie auf einen Glockenschlag, war dieser Altersunterschied plötzlich hinfällig geworden: Im Alter waren sie alle gleich.

Fazit

Es ist ein Buch für ruhige Stunden. Das Setting ist ein malerisches, italienisches Bergdörfchen, da stellt sich direkt Urlaubsfeeling ein. Simona Morani lädt dazu ein, über das Älterwerden nachzudenken und hilft vielleicht auch den  jungen Leuten, sich ein bisschen in die Älteren hineinzuversetzen. Gleichzeitig beweist sie Humor und bietet sehr gute Unterhaltung. Von mir bekommt das Buch eine klare Leseempfehlung und ist eines meiner Highlights 2017.

 



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